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16.03.2020

Neue StVO: Das ändert sich für Radfahrer

Mindestens 1,50 Meter Abstand müssen Autofahrer einhalten, wenn sie ein Rad überholen wollen. Ist das nicht möglich, heißt es warten

Mit vielen Änderungen der Straßenverkehrsordnung zeigt sich der ADFC einverstanden. Eine Übersicht, was sich für Radfahrer und Autofahrer im Bezug auf Radfahrer ändern wird.

In Kürze tritt die StVO-Novelle in Kraft. Der Bundesrat hat der Änderung der Straßenverkehrsordnung am 14. Februar 2020 zugestimmt. Derzeit arbeitet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in den letzten Zügen an der Novelle, die gerade für Radfahrer viele positive Effekte mit sich bringt. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bewertet die Maßnahmen, die mehr Komfort und Sicherheit für Radfahrende bringen sollten, als "zum Teil gelungen", fordert aber nach wie vor eine grundlegende Reform des Straßenverkehrsrechts. Das brauche es um Kommunen mehr Möglichkeiten zu geben, Tempo-30-Zonen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit einzuführen und Fahrradstraßen oder geschützte Radfahrstreifen einzurichten und um Lücken im Radverkehrsnetz zu schließen. Über die aktuellen Änderungen informiert der ADFC wie folgt:

Definierter Sicherheitsabstand

Radfahrer sind künftig per Gesetz bei Überholvorgängen geschützt: Autofahrer müssen mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand halten. Außerorts sind es sogar zwei Meter. "Das galt zuvor schon durch Gerichtsentscheidungen, steht jetzt aber ausdrücklich in der StVO", kommentiert der ADFC. Die Regelung gilt unabhängig davon, ob Radfahrende auf der Fahrbahn, auf „Schutzstreifen“, Radfahrstreifen oder geschützten Radfahrstreifen („Protected Bikelanes“) unterwegs sind. Faktisch bedeutet diese Regel ein Überholverbot an Stellen, die nicht die notwendige Breite haben. Das wissen die meisten Autofahrenden nicht, deshalb fordert der ADFC eine Aufklärungskampagne.

Radwege zuparken wird teurer

Für das Parken auf Geh- und Radwegen gelten höhere Bußgelder. Die bisherigen Bußgelder von 15 bis 30 Euro werden auf 55 bis 100 Euro erhöht. Erstmals gibt es für Parkverstöße bei Gefährdung zusätzlich einen Punkt in Flensburg. Auch andere Parkverstöße werden teurer, beispielsweise in zweiter Reihe und auf Straßenbahnschienen. Weil das Zuparken von Radwegen ein gefährliches Massenphänomen ist, fordert der ADFC eine deutlich höhere Kontrolldichte der Behörden bis hin zur Bereitschaft, behindernde Falschparker konsequent abschleppen zu lassen.

Halten auf „Schutzstreifen“ ist verboten

Bisher durften Kraftfahrzeuge auf sogenannten „Schutzstreifen“ bis zu drei Minuten halten. Gemeint sind Fahrbahnmarkierungen für den Radverkehr mit gestrichelter Linie und Fahrradsymbol. Das Halten auf diesen Streifen ist mit der neuen StVO jetzt verboten.

Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen für Lkw

Um Abbiegeunfälle zu vermeiden, dürfen Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen. Das Schritttempo von 4 bis 7 km/h gibt dem Lkw-Führenden mehr Zeit, die Abbiegesituation zu überblicken. Das Bußgeld für die Missachtung beträgt 70 Euro, dazu kommt ein Punkt im Fahreignungsregister.

Nebeneinanderfahren ist erlaubt

Mit der StVO-Novelle ist es jetzt ausdrücklich erlaubt, dass man zu zweit nebeneinander mit dem Rad fahren darf. Anderer Verkehr darf dadurch zwar nicht behindert werden, aber solange genug Platz zum Überholen ist, ist keine Behinderung gegeben. Bislang lautete die Grundregel: Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden.

Neue Verkehrszeichen

Mit der neuen StVO kommt als neues Verkehrszeichen der Grünpfeil für den Radverkehr. Es erlaubt das Rechtsabbiegen bei roter Ampel für Radfahrende nach vorherigem Anhalten. Entsprechende Verkehrszeichen sind bereits in Frankreich, Belgien und den Niederlanden zur Beschleunigung des Radverkehrs erfolgreich im Einsatz, dort sogar ohne Anhaltepflicht. Der schon bekannte Grünpfeil für den Autoverkehr gilt auch für den begleitenden Radweg, stellt die neue StVO klar.

Mit dem neuen Verkehrszeichen „Fahrradzone“ können größere Bereiche nach den Regeln für Fahrradstraßen eingerichtet werden. Radfahrende haben hier Vorrang, Autos dürfen höchstens 30 km/h fahren und müssen hinter Radfahrenden zurückbleiben.

Das neue Verkehrszeichen kennzeichnet den Beginn und Verlauf von Radschnellwegen, wie sie in vielen Metropolregionen derzeit geplant und gebaut werden. Radschnellwege sind breite, vom Autoverkehr weitgehend getrennte und idealerweise kreuzungsfreie Radvorrangrouten. Auf Radschnellwegen können auch längere Strecken zügig und sicher zurückgelegt werden, beispielsweise von Pendlern.

(ms/ADFC)

Foto : (c) Tom Bayer - Fotolia.com

 

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