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22.07.2022

Unfall auf Gehweg: Besondere Sorgfaltspflicht für Radfahrende

Fahrrad
Auf gemeinsam genutzten Gehwegen sind zu Fuß Gehende nicht in der Pflicht, sich ständig nach Radfahrenden umzusehen

Kommt es auf einem Gehweg, der auch für Radfahrende zugelassen ist, zum Unfall, haftet meist der Zweiradfahrende. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Erfurt.

Im konkreten Fall, über den die Plattform RP online auf ihrer Webseite berichtet, kam es auf einem Gehweg, der mit einem Zusatzschild auch für Radfahrende freigegeben war, zum Unfall. Es gab aber weder baulich noch farblich markierte Bereiche. Ein neunjähriger Junge trat von einem Hauseingang auf einen Gehweg heraus. Ein Radfahrer konnte nicht mehr bremsen und kollidierte mit dem Kind. Der Junge zog sich durch den Aufprall unter anderem ein Schädelhirntrauma zu. Auch der Radfahrer verletzte sich, da er beim Bremsen über seinen Lenker geflogen war. Für das Kind wurde vor Gericht ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro gefordert. Die Begründung: Der Radfahrer sei zu schnell und zu dicht am Hauseingang gefahren. Der Beklagte meinte wiederum, dass das Kind nicht aus dem Hauseingang hätte treten dürfen, ohne sich vorher umzuschauen. Es sei regelrecht auf den Gehweg heraus und in den Beklagten hineingerannt.

Kein Mitverschulden des Jungen

Das Gericht sah den Radfahrer in der Verantwortung. Auf einem gemeinsamen Weg für zu Fuß Gehende und Radfahrende hätten letztere eine besondere Sorgfaltspflicht. Zu Fuß Gehende dürften die gesamte Breite eines Gehwegs nutzen, ohne sich ständig umschauen zu müssen. Zudem müssten Radfahrende zu jeder Zeit in der Lage sein, innerhalb der überschaubaren Strecke anzuhalten, wenn die Verkehrslage unklar wird. Laut Gericht war der Radfahrer für die Umstände vor Ort zu schnell unterwegs und sei zu nah an den Ausgängen der Grundstücke gefahren. Ein Mitverschulden des Jungen konnte es dagegen nicht feststellen. Das Kind sei nicht gerannt, sondern höchstens auf den Gehweg gehopst. Die Sturzrichtung des Radfahrers – nach vorne und nicht zur Seite – zeige außerdem, dass das Kind diesen nicht umgerannt habe. Das Gericht sprach dem Jungen ein Schmerzensgeld von 500 Euro zu.

Amtsgericht Erfurt
Aktenzeichen 5 C 1402/19

(mm)

Foto : picture alliance/dpa/Jan Woitas

 

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