Aktuelle Nachrichten

23.08.2018

Vorurteil vom digitalen Zombie-Kind

Kinder hängen nur noch an Smartphones, Tablets und Co.? Falsch, sagt die Kinder-Medien-Studie

Die aktuelle Kinder-Medien-Studie 2018 zeigt, dass die vier- bis 13-jährigen Kinder den Spagat zwischen digitaler und analoger Welt sehr gut managen können. Bücher und Zeitschriften genießen einen hohen Stellenwert.

Kinder leben nur noch in der digitalen Welt, surfen im Internet, daddeln auf dem Smartphone oder streamen Video-Clips bei YouTube. Dieses Klischee wird von vielen Erwachsenen aus der analogen Welt gepflegt, doch entspricht das überhaupt den Tatsachen? Nein, das Gegenteil ist der Fall, wie die aktuelle Kinder-Medien-Studie 2018 belegt. Für diese repräsentative Studie zur Mediennutzung der vier- bis 13-jährigen Kinder, die von sechs großen Print-Verlagen durchgeführt wurde, wurden 3.300 Interviews mit den Kindern geführt. Ein Ergebnis: Die Kinder lesen am liebsten Bücher, die auf Papier gedruckt worden sind. Tatsächlich greifen drei von vier Kindern mehrmals wöchentlich zu Büchern oder Zeitschriften, und nur rund ein Drittel sieht sich mehrmals pro Woche Videos im Internet an. Aber was noch wichtiger ist: An erster und zweiter Stelle der Freizeitaktivitäten stehen „mit Freunden zusammen sein“ und „im Freien spielen“. 

Natürlich geht die digitale Welt an den Kindern nicht vorbei, aber sie wachsen nach und nach dort hinein und verknüpfen die analoge und digitale Welt miteinander. Sie sind sowohl draußen als auch gleichzeitig digital unterwegs und nutzen dabei alle Kommunikationswege. Das spiegelt sich in den Kinderzimmern wider, denn dort haben noch Plüschtiere das Sagen. Die Studie belegt: „Kinder verfügen über eine gute Balance zwischen der analogen und der digitalen Welt.“ Sie haben ein durchaus differenziertes Bild vom Internet, das sie auf der einen Seite als „das coolste Medium, das es gibt“ bewerten, aber auf der anderen Seite auch als „schlecht für den Menschen“ ansehen.

Wunschobjekt: Erst das Fahrrad, später das Smartphone

Erst mit zunehmendem Alter wächst der Wunsch nach mehr Digitalisierung, und so ist dann irgendwann auch das Smartphone das Wunschobjekt Nummer eins. 92 Prozent aller 13-Jährigen besitzen bereits ein eigenes Smartphone. Doch der wichtigste Besitz ist für die Jungen ein eigenes Fahrrad, um mobil zu sein. Auch bei den Mädchen liegt das Rad auf Platz zwei, knapp hinter den Plüschtieren. Aber ab dem elften Lebensjahr ist das Fahrrad auch bei den Mädchen die Nummer eins.

Die Medien werden von den Kindern ganz bewusst genutzt und dabei überrascht die hohe Bedeutung der Zeitschriften. Sie dürfen selbstständig entscheiden, was sie lesen. Kinder sind dabei ganz bewusste und ernstzunehmende Entscheider. Aber warum lesen sie Zeitschriften? Die Kinder konnten auf diese Frage offen antworten. „Weil meine Freundinnen auch lesen, und ich will nicht die Dumme sein!“ – „Weil ich mit zwölf dann die Wissenschaft verständlich finde und in der Schule ein bisschen schlauer bin!“ – „Weil darin Dinge stehen, die mich interessieren. Zeitschriften kann man aufheben.“ Diese kleine Auswahl zeigt, dass die Mädchen und Jungen sich ganz bewusst für die Printausgaben interessieren. Sie geben sogar ihr Taschengeld – neben Süßigkeiten – am liebsten für Zeitschriften aus. Das freut die Eltern, die ebenfalls den Zeitschriften vertrauen und darin eine sinnvolle Beschäftigung für ihre Kinder sehen. So werde unter anderem der Wortschatz erweitert sowie die Fantasie und Kreativität gefördert und das ohne die Hektik der elektronischen Medien. 

Dennoch ist es den Kindern wichtig, digital ausgestattet zu sein, aber digitale und klassische Wünsche halten sich die Waage. So stehen beispielsweise Inliner oder ein Skateboard mit 20 Prozent in der Wunschliste vor einem Fernseher (18 Prozent). Die Kommunikation erfolgt auf allen Ebenen und nicht nur über Whatsapp, denn 97 Prozent nutzen ihre Smartphone tatsächlich auch zum Telefonieren, erst mit zunehmendem Alter gewinnt die Textnachricht an Bedeutung.

Mädchen lieben Pferde, Jungs stehen auf Sport

Die Studie belegt, dass die vier- bis 13-Jährigen ein breites Interessenspektrum haben, wobei es signifikante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt, die zum Teil den klassischen Klischees entsprechen. So lieben die Mädchen Pferde (83 Prozent), Haustiere (83 Prozent) sowie Prinzessinnen und Feen (79 Prozent), während die Jungs sich für Sport (83 Prozent), Autos (83 Prozent) und Superhelden (79 Prozent) interessieren. Apropos Superhelden: Zum Abschluss wurden die Kinder gefragt, welche Superkraft sie gerne hätten. Hier einige Antworten: „Die Politiker an einen Tisch setzen, um ihnen zu sagen, wie schlimm sie manche Menschen behandeln.“ (11 Jahre) - „Ich würde wollen, dass Kinder nicht mehr Hunger haben und dass Kinder immer zur Schule gehen können und ihre Eltern haben.“ (6 J.) - „Ich würde die Welt gerechter machen, dass es keine Kriege und Zerstörung und keinen Hunger mehr gibt.“ (11 J.). 

Die Kinder-Medien-Studie 2018 zeigt auf, dass es kein „entweder oder“, sondern ein „sowohl als auch“ in Sachen Mediennutzung gibt und dass die Medienkompetenz an Bedeutung gewinnt. Kinder wachsen in die Dualität hinein und verstehen es hervorragend damit umzugehen. Sie ziehen sich nicht in die virtuelle Welt zurück, sondern nehmen am aktuellen Tagesgeschehen ganz bewusst teil. Sie sind also viel smarter als einige analoge Erwachsene es ihnen zutrauen.

(lie)

 

 

Foto : © Syda Productions - Fotolia.com

 

0 Kommentare
 



Kommentare verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der Verkehrserziehung veröffentlicht.
Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter den Kommentar an. Herzlichen Dank!

* Pflichtfeld
Dienstag, 21.05.2019
Abonnement
Zeitschrift für Verkehrserziehung 02/2017

Sie wollen keine Ausgabe mehr verpassen? Dann abonnieren Sie die Zeitschrift für Verkehrserziehung noch heute!

Twitter
Twitter Logo

Kennen Sie eigentlich schon unseren Twitter-Account?

Kontakt

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Produkt-Katalog

Entdecken Sie jetzt alle Produkte in unserem Verkehrserziehungs-katalog 2017/2018!